11.11.2005
Aus der Kategorie: Privat > Meine Seifenblase
Das Wesen & die Sonne.

Tau auf dem Gras. Weit dahinter eine Sonne die leise und fast unbemerkt anfängt den Horizont zu streicheln. Dazwischen zwitschernde Spatzen. Spatzen die frech aus ihrem Nest schauen und nach kleinen Würmern lucken um diese nach einem wahr selbstmörderischen Sturzflug ihrem Nachwuchs zum Fressen vorwerfen zu können.

Es ist Morgen. Ein neuer Tag beginnt. Ein Tag an dem alles geschehen kann.

Der Tod. Die Liebe. Erfolge sowie Misserfolge. Freude und Leid stehen auf der Matte. Warten nur darauf von irgendjemanden erfahren zu werden. Illusionen werden erneut geboren. Illusionen die vor Stunden schon qualvoll verstorben waren. Optimismus liegt in der kühlen und klaren Morgenluft. Es ist doch deutlich spürbar.

Dazwischen ein Wesen. Zusammengeklappt und müde vom Kampf um den gestrigen Optimismus. Ein Wesen welches seit Stunden bemüht ist seine Tränen aus dem Gesicht zu wischen um endlich den frischen Optimismus Willkommen heissen zu können.

Er ist doch greifbar nah. Das Wesen muss doch nur seine Hand ausstrecken und ihn fest umklammern. Somit rettet es ihn doch. Zumindest für einen weiteren Tag lang?

Die Hand auszustrecken ist doch einfach. Genau so einfach wie sich senkrecht in Richtung Erde zu stürzen. Kurz davor mit den Flügeln zu schlagen und mal eben den Schnabel zu öffnen. So leicht wie sich leise und unbemerkt von hinten heranzuschleichen und mal eben ein ganzes Sternensystem zu erleuchten.

Doch das Wesen sieht keine Sonne. Es hört gerade kein Vogelgetier.

Es ist nicht tot. Es verweilt schon seit einer gewissen Zeit an dieser Stelle. Es versucht den Optimismus zu fangen. Ihn mit der frischen Luft in seinen Leib zu saugen.

Die Sonne streichelt den Horizont nicht mehr. Auch die Spatzen haben aufgehört sich zwitschernd in Lebensgefahr zu begeben. Der Tau auf dem Gras ist schon lange der nüchternen Trockenheit gewischen.

Das Wesen aber rührt sich nicht. Es verweilt immer noch in der selben Position. Es wartet wohl noch auf den Sinn. Den Sinn um seinen Arm zu heben und seine Finger kraftvoll zusammenzupressen.

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